Cellistin und mehr...

Als Cellistin, Sängerin und Songwriterin bin ich auf der Suche nach meinem eigenen Ich. Dabei löse ich mich von alten Traditionen und verbinde Musikstile, die sich scheinbar ausschließen. So lassen sich in meinen Songs und Kompositionen Einflüsse von gleichzeitig Jazz, Pop und Klassik heraushören. Meine Musik ist individuell, intim, hinterfragend und grenzenlos. Ich bin auf dem Weg, die Klassikerin in mir loszulassen und meiner eigenen Stimme zu folgen. Doch wie ist es dazu gekommen?

 

Es hatte alles ganz anders angefangen. Aufgewachsen in einem von klassischer Musik geprägten Elternhaus folgte ich der Laufbahn, die ich mir nur mit meinem Cello vorstellen konnte: Ich studierte klassisches Cello mit Diplomabschluss in Weimar und Lyon und wollte in einem Orchester spielen und damit meinen Lebensunterhalt verdienen.

 

Aber mein Leben hatte einen anderen Plan mit mir vor. „Du bist doch viel zu kreativ für ein Orchester“, sagten meine Freunde zu mir. Mein rationales Ich wollte das eigentlich nicht wahr haben. Doch mein kreatives Ich hatte immer mehr den Drang, Neues zu schaffen und sich selbst ausdrücken zu können, sich nicht Hierarchien unterordnen zu müssen. 

Bei dem Vorbereitungskurs für ein Designstudium, das ich zwar nicht antreten konnte, ist es mir zum ersten Mal bewusst geworden: Die Professoren fühlten sich nicht von den Bildern, die so naturgetreu wie möglich waren, angesprochen, sondern sie waren von den Werken beeindruckt, in denen ich mich von den Konventionen und dem bildhaften Malen gelöst hatte und meine eigene Persönlichkeit zu Tage getreten war. Ich wollte diese Freiheit auch auf dem Cello spüren, denn schließlich war das Cellospiel doch das, was ich von allen Talenten am besten konnte. Bisher hatte ich nur gelernt, nach Noten zu spielen. Wie konnte ich nur über meinen eigenen Schatten springen und die Kreativität auch mit dem Cello verbinden?

 

Auf einem Meisterkurs für Jazzcello bei Stephan Braun fügte sich dann alles zusammen: Ich lernte komplett neue Spieltechniken und fand mit meinem Cello durch die Improvisation meine eigene Stimme - endlich erschuf ich meine eigene Musik. Ich fing an, meinem Gehör und meinem Gespür zu vertrauen und es war eine Offenbarung, dass so eine musikalische Freiheit überhaupt möglich war. Plötzlich gab es keine Regeln mehr, stattdessen die Gewissheit, dass alles, was ich tat, richtig war, da es in dem Moment neu erschaffen wurde. Und auch wenn sich alles neu anfühlte und ich nur in kleinsten Schritten voran kam, so spürte ich, dass dies der richtige Weg für mich war. Der einzige, der zu mir selbst führte und der einzige, auf dem ich mich nicht verbiegen oder mit anderen vergleichen musste.

 

Ich wusste, dass ich meine Komfortzone verlassen und mich meinen Ängsten stellen muss, wenn ich zu mir selbst finden und meine Kreativität freilassen wollte. Ich wusste auch, dass alles Vorherige wichtig gewesen war, um diesen Weg überhaupt gehen zu können und dass jeder weitere Schritt mich zu meiner neuen Persönlichkeit führen würde, die ich noch nicht mal erahnen konnte. Während meines Studiums für Jazz-Improvisation in Linz traf ich auf gleichdenkende Persönlichkeiten und habe sehr viel über mich erfahren, mir Neues zugetraut und ausgetestet und vor allem gelernt, dass es sich lohnt, sich den unangenehmen Dingen zu stellen, weil ich durch die Überwindung derer neue Freiheiten erlange.

 

Man sagt ja, der Weg zu sich selbst sei der schwierigste im Leben. Er ist aber auch der, der einem wirklich das Gefühl gibt, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Er ist der, für den es wert ist, alles hinter sich zu lassen, alles Alte umzuschmeißen und die Karten neu zu mischen. Denn alles ist möglich, wenn man im Leben Raum dafür schafft. Es war gut, dass ich in der Klassik all die Regeln gelernt hatte, wie man diese und jene Musik spielen oder artikulieren sollte. Doch es war noch wichtiger, jene Regeln zu vergessen und meiner eigenen Eingebung und Intuition zu folgen und zu vertrauen. Erst so konnte ich mit meiner Musik meine eigene Stimme finden. Ich weiß nicht, wohin mein Weg mich noch führen wird, aber ich bin bereit, weitere Grenzen zu überwinden und Neues auszuprobieren. Es ist noch so viel Musik in mir, die ich noch nicht zu Papier gebracht habe und ich genieße es, die unendliche Freiheit zu umarmen, die ich als Musikerin und Kreativschaffende in diesem Leben geschenkt bekommen habe.

 

Mehr Infos über mich und meine Projekte gibt's in meinen Newsletter, der sehr unregelmäßig erscheint, und auf Facebook oder Instagram.